Achtung Schauspieler Casting! – #metoo vergessen

‚Es ist einfach kein richtiges Licht rein zu bringen, in manche Dinge, ohne dass man miteinander spricht.‘

Darum haben ich mich entschlossen, meine eMail die ich zwecks des geplanten Screenings von „Achtung Casting!“ an den BFFS und das SNOWDANCE Festival sendete, nun als offenen Brief an die Branche zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass wir bald Alle mehr miteinander Sprechen, noch bevor es zu spät ist.

Ich möchte weder Angst vor einem Casting haben, noch mir Sorgen machen müssen, was mit Aufnahmen passiert, die in diesem geschützten Raum entstehen.

 


 

Betreff Snowdance Screening und Wortwahl – #metoo vergessen

Sonntag 12. August 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe heute aus einem Grund, der mich grad innerlich etwas enttäuscht.

Wo bleibt unsere Gesprächskultur, unser Miteinander..?!

Den Fall „Achtung Casting!” an sich kennen Sie ja schon, da für Mitglieder auch schon rechtlich gegen vor gegangen wurde bzw. wird.

Ich wurde gestern auf einen Post auf Facebook hingewiesen, der mich nach erstem nüchternen Lesen, später zunehmends mehr und mehr aufwühlte. Klingt jetzt vielleicht drastisch, die Auswirkungen auf Betroffene ist aber teils, wie ich aus erster Hand weiß, sehr extrem. Das geht soweit dass Schauspieler die dort mitgemacht hatten, sogar in Behandlung gehen mussten und ihre Karriere beenden wollen.

Das macht mich sprachlos.

 

Es ging ja nicht um einen Post vom Filmemacher selbst oder seiner Produzentin, es war ein offizieller auf der Fanpage des Festivals Snowdance in Landsberg am Lech.

Jetzt möchte ich vorraus schicken, dass ich Experimente in allen Bereichen, egal ob beim Film oder welcher Kunst und Leidenschaft auch immer willkommen heiße.

Besonders anders Denkende sollten niemals von vorneherein verurteilt werden, nein man sollte sie genau so unterstützen wie man selbst unterstützt werden möchte. Oder eine Chance zur Verteidigung geben, wie in diesem Fall, sehe ich ja auch ein.

Ich schätze vor allem das Landsberger Snowdance Independent Filmfestival für seine „Andersheit“. Als Bayer versteht man das besonders: Auch wenn uns nicht jeder sofort versteht, sehe ich es gerne wenn ein zweites mal hingehört wird.

Aber das ganze nun als Screening noch an die große Glocke zu hängen und sich auf die eigene Fahne zu schreiben mit dem Kommentar auf vielfache Kritik unter dem Post mit folgenden Worten zu reagieren: „Eines werden wir von SNOWDANCE aber sicher nicht: Uns einen noch so großen ShitStorm um Netz beugen. Die Einladungen… gehen… raus.„, ist irgendwie perfide. Ich finde das mehr als fragwürdig, was das für unsere Branche Aussagen soll.

Ist das Netz jetzt weniger Mensch? Was sind wir Alle wert?

Ja klar, das Festival steht vor allem für Independent Filmemacher, die wir als Schauspieler wohl alle auch sehr sehr lieben. Aber sind wir Schauspieler nicht genau so Schützenswert? Will sagen, müsste man nicht ersteinmal her gehen und vor dem ganzen mit den Betroffenen ein Gespräch suchen?!

Nein, und das ist jetzt meine Einschätzung der Situation, der Filmemacher geht hier kalkuliert vor, dass er den Film endlich zeigen kann und sich das Festival auf seine DVD samt Lorbeerkranz drucken kann.

Das sagt mir zumindest der eigene (für mich heftig überhebliche) Werbetext, zum Film „Achtung Casting!“, den wiederum ebenfalls Snowdance großmundig zitiert.


 

Eben erfahre ich von einem Update auf der Fanseite von Snowdance. ‚Es soll geprüft werden…‘ Anwaltlich, kein Wort von Menschen die damit bereits beschäftigt sind.

Aber! Man überlegt weiterhin, ob der Film gezeigt werden wird.

Das Problem und Grundthema bleibt jedoch/also bestehen. Hier hapert es doch an der Kommunikation in der Branche. In unser aller Branche wird dann selbst bei einem Festival, bei dem alle zusammenkommen sollen, nur im eigenen Saft geköchelt. Anders ist es mir nicht zu erklären, wie so etwas passieren kann. In die Presche zu springen, für einen umstrittenen Filmemacher, ohne wohl Informationen eingeholt zu haben. Wir hoffen dass sich das selbst regelt?

Warum wurde nicht vorher schon an Uns, den vermeintlich kleinen Schauspieler ran gegangen und einfach mal nachgefragt.

Man hätte den BFFS anrufen können und hätte schon einige Infos bekommen, auch wenn das Verfahren noch schwebt. (Fakten (?) die im Raum stehen: Sammelklage mit nur einem kleinen Teil der 600 Betroffenen)

Oder einfach mal bei Crew United melden, die haben schon so viele eMails bekommen, von Kollegen die sich aus dem Projekt austragen ließen. Nein da braucht es erst einen ungeheueren Druck um ein Einlenken zu erreichen.

Wir haben so viele Möglichkeiten. Bei jedem Dreh sind wir wieder eine Familie. Aber wenn es drauf an kommt, sind wir zu selbstherrlich..? Viele Fragen die offen bleiben.

Das geht uns alle an.

Wie gesagt, ich schreibe das mit gewisser Wut, die aus einem Unverständnis heraus entsteht. Ich möchte nochmal betonen, dass ich das Festival Snowdance und die Macher sehr respektiere und schätze. Ich denke Snowdance ist nur ein Beispiel, an dem es jetzt hoch kocht.

Wir haben es uns zu einfach gemacht, haben da wohl ein Problem, das selbst mit #metoo noch nicht gelöst ist. Das sitzt tiefer.

An sich ist dieser Hashtag schon lange wieder ausgelutscht. Wie es ein gute Kollegin sagte: Lasst uns ME TOO zu etwas positiven machen.

Missbrauch: Bin ich auch dagegen. Macht: Will ich auch, zusammen ist man stärker. Liebe: Ich liebe Euch Alle auch!

Lasst uns doch mehr von dieser Energie, die wir alle mitbringen und lieben wenn wir in einem Projekt sind und arbeiten, nutzen. Ich auch, ich will auch dabei sein! Wir zusammen.

 

Mit grösster Hoffnung und besten Wünschen allen Beteiligten,

Ihr Tom von der Isar

 

P.s: Diese eMail geht in aller Offenheit und Glauben an unsere gemeinsame Sache und Branche in Cc an das Festival: Hallo liebe Kollegen


Tom von der Isar
Schauspiel, Regie & Moderation www.tomvonderisar.de

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